Offener Brief

THEATERMODERN

FÜR DIE ZÜGIGE BAULICHE MODERNISIERUNG DES THEATERS AUGSBURG

Pro Theatermodernisierung Augsburg!

 

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl,

 

uns, den Unterzeichnern dieses Schreibens*, bereitet der offene Brief zur Theatersanierung Sorge, dass sich die Stadtregierung zu sehr von dessen Urhebern, die keineswegs ein Abbild der gesamten Augsburger Kulturschaffenden darstellen, vereinnahmen lässt. Zudem halten wir es für gefährlich, das Theater, wie alle Kulturangelegenheiten, und andere wichtige Aufgaben der Stadt gegeneinander auszuspielen.

 

Wir haben die große Befürchtung, dass der geforderte Planungsstopp die Schließung des Theaters zur Folge hätte, und damit unabsehbare Konsequenzen für seine langfristige Zukunft. Nachdem wir die meisten Aussagen und Forderungen des offenen Briefes als Fehleinschätzungen betrachten und verhindern wollen, dass damit in der Bevölkerung eine „Anti-Theater-Stimmung“ geschürt wird, möchten wir einige Dinge klar stellen:

 

Augsburg hat das große Glück, ein erfolgreiches Mehrspartenhaus mitten in der Stadt zu haben. Unser Stadttheater hat eine hohe Akzeptanz und Auslastung, weil es ein lebendiger Spiegel der Gesellschaft ist, und sich regelmäßig bewusst und Impulse gebend mit Tradition, Gegenwart und Zukunftsentwürfen auseinandersetzt. Obwohl es wirtschaftlich unter hohem Druck steht, gehört es zu den wenigen Lebensbereichen, die noch nicht einer umfassenden Kommerzialisierung unterworfen sind.

 

Zur Forderung der Bürgerbeteiligung muss differenziert werden zwischen der inhaltlichen Ausrichtung des Theaters und der grundsätzlichen Konfiguration als Mehrspartenhaus. Es ist wenig zielführend, letztere per Bürgerdialog zu diskutieren, denn Kunst kann nie nach Mehrheiten „entschieden“ werden. Ein einseitiges Ergebnis, das etwa die Streichung von Sparten zur Folge hätte, kann nicht im Interesse der Bevölkerung sein, welche Anspruch auf die gesamte kulturelle Bandbreite hat.

 

Weder die Zukunft des Theaters noch das „Theater der Zukunft“ – ein Diskurs der von international renommierten Denkern, Theatermachern und Visionären zwar längst und stetig geführt wird – lässt sich auf lokaler Ebene erschöpfend und abschließend erörtern und dann gar im Kulturentwicklungsplan „festschreiben“. Dennoch muss es immer einen Austausch zwischen Bürgern, Kulturschaffenden und Theater-Experten vor dem Hintergrund der Freiheit der Kunst geben.

 

Unabhängig davon hat die Augsburger Intendanz in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie es gelingen kann, aktuelle gesellschaftspolitische Themen künstlerisch umzusetzen, neue, vor allem junge Besuchergruppen anzusprechen und damit den Bildungsauftrag zu erfüllen.

 

Darüber, warum die 50 Briefschreiber das Theater als „Festung“ bezeichnen, kann nur gemutmaßt werden. Zu den zum Glück unveränderlichen Realitäten der Gesellschaft gehört der Denkmalschutz, der das Große Haus vor Umbauexperimenten schützt. Vielleicht sollte aber gemeint sein, dass es mehr Mitwirkungsangebote an die Bürgergesellschaft geben soll, wogegen nichts einzuwenden ist. Das aber hat mit der architektonischen Planung nichts zu tun. Dass das Theater überdies noch als Fremdkörper empfunden und infolgedessen sogar sein Standort in Frage gestellt wird, lässt an der Seriosität der Briefschreiber zweifeln.

 

Wovon wir schließlich dringend abraten, ist eine Bürgerbeteiligung zum baulichen Theatersanierungs-konzept, da der Planungsprozess für ein Mehrspartentheater so komplex ist, dass Laien kaum Anregungen geben können, die nicht schon in unzähligen Entwürfen zwischen Intendanz, Architekt und Auftraggeber durchgekaut worden wären.

 

Wir sind davon überzeugt, dass die vorliegende Planung die technischen Erfordernisse eines modernen Theaterbetriebs berücksichtigen wird. Das Ergebnis wird eine flexible, multifunktionale Theaterraum-Architektur sein, die moderne und innovative Inszenierungen möglich macht. Die Hypothese, dass zukünftige Theaterideen auf Grund baulicher Zwänge nicht realisierbar seien, ist völlig aus der Luft gegriffen.

 

Im breiten Konsens mit zahlreichen kulturell kompetenten, aktiven und begeisterten Bürgern fordern wir in diesem Sinne die zügige Umsetzung der aktuellen Planung und sind froh, dass Sie sich, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, bisher klar zum Stadttheater Augsburg bekannt haben und es für unverzichtbar halten.

 

 

Gez.

stv. Christian Z. Müller

 

 

 

*Eine stetig wachsende Gruppe kulturaffiner, kunstschaffender und konstruktiv denkender Menschen in und um Augsburg, die sich für die rasche Umsetzung der Theatersanierung bzw. den neuen Anbau aussprechen.